Arbeiten in Frankreich – Das sollten Sie wissen

Viele Menschen wollen sich den Traum von einem Leben im Ausland verwirklichen. Aufgrund der Nähe zu Deutschland ist Frankreich ein beliebtes Auswanderungsziel. Auch viele an der Grenze lebenden Deutschen arbeiten in Frankreich, und das meist bevorzugt. Als Anwalt in Frankreich möchte ich Ihnen einen groben Überblick zu diesem Thema geben.

Ist das Arbeiten in Frankreich gesetzlich geregelt?

Ja, ist es. Alle Regelungen rund um das Arbeiten in Frankreich sind im Code du Travail, dem französischen Arbeitsgesetzbuch, festgehalten.

Darf man als Deutscher in Frankreich arbeiten?

Deutsche Staatsangehörige dürfen in Frankreich jeglichen Beruf ausüben. Ausgenommen sind Stellen im öffentlichen Dienst. Eine Aufenthaltserlaubnis (carte de séjour) ist für EU-Bürger zur Ausübung eines Berufes zwar nicht verpflichtend, dennoch können einige französische Arbeitgeber diese verlangen.

Der gesetzliche Mindestlohn

Im Gegensatz zu Deutschland existiert in Frankreich ein flächendeckender, gesetzlicher Mindestlohn (SMIC). Dieser beträgt 10,15 Euro pro Stunde (Stand 2020).

Er gilt für private Arbeitgeber, einschließlich für öffentliche Einrichtungen mit gewerblichen Interessen (Établissements publics à caractère industriel et commercial, kurz EPIC) und für private Arbeitnehmer von öffentlichen Verwaltungseinrichtungen (Établissements public à caractère administratif, kurz EPA).

Der Mindestlohn gilt unabhängig vom Arbeitsvertrag (unbefristet, befristet, Teilzeit etc.) sowie unabhängig von der Art der Vergütung (nach Zeit, Leistung, pro Aufgabe, pro Stück, als Provision oder als Trinkgeld).

Der Arbeitnehmer hat ab seinem ersten Tag Anspruch auf den SMIC, auch, wenn er sich in der Probezeit befindet.

Gesetzliche Wochenarbeitszeit

Die durchschnittliche tarifvertragliche Wochenarbeitszeit liegt in Frankreich bei 35,6 Stunden. Im Vergleich zu Deutschland erhält man damit ungefähr den gleichen Lohn bei weniger Arbeitszeit. Das scheint für viele Arbeitnehmer verlockend, sollte aber nicht der Hauptgrund für das Arbeiten in Frankreich sein.

Die gesetzliche Arbeitszeit in Frankreich ist jedoch nicht mit der Maximal-Arbeitszeit gleichzusetzen. Laut europäischem Recht ist es Arbeitnehmern in Frankreich erlaubt, nur maximal 10 Stunden pro Tag, bzw. 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Ein Wochendurchschnitt von 44 Stunden über einen Zeitraum von 12 Wochen darf dabei keinesfalls überschritten werden.

Sprachkenntnisse sind wichtig

Für das Arbeiten in Frankreich ist es wichtig, die Französische Sprache gut bis verhandlungssicher zu beherrschen. Ein Deutschsprachiger mit minimalen Französischkenntnissen ist nicht nur beruflich, sondern auch sozial in seinen Möglichkeiten eingeschränkt. Zwar lernen die Franzosen im Zuge der Schulbildung Englisch und mancherorts auch Deutsch, bevorzugen aber grundsätzlich ihre Muttersprache.

Arbeiten in Frankreich – So bewerben Sie sich

Möchten Sie sich in Frankreich um eine Arbeitsstelle bewerben, sind einige Unterschiede zu Deutschland zu beachten. Französische Firmen verlangen lediglich nur ein Anschreiben (lettre de motivation) sowie einen Lebenslauf (Curriculum Vitae bzw. CV). Zeugnisse werden häufig nicht eingefordert. Das bedeutet jedoch nicht, dass darauf weniger Wert gelegt wird. Falls Sie einen reglementierten Beruf wie etwa Arzt oder Anwalt ausüben, müssen Sie den entsprechenden Behördengang durchlaufen.

Der Arbeitsvertrag

Ein unbefristeter Arbeitsvertrag (Contrat à durée indétermininée) für eine Vollzeittätigkeit muss keiner zwingenden Form entsprechen. Der Vertrag kann sogar mündlich geschlossen werden. Dennoch muss der Arbeitgeber in diesem Fall den Angestellten schriftlich über die wesentlichen Bedingungen des Arbeitsverhältnisses unterrichten.

Gute Kinderbetreuung für Karriere in Frankreich von Vorteil

Frankreich bietet diverse Angebote zur Kinderbetreuung, um es Arbeitnehmern zu erleichtern, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Beispielsweise findet die Schule ganztags statt, was berufstätigen Eltern maximale Flexibilität bietet. Für Kleinkinder gibt es verschiedene Angebote von Krippen, Kindergärten, Vorschulen sowie Möglichkeiten der Betreuung zuhause mit sogenannten nounous (Tagesmüttern). In den Großstädten Frankreich gibt es auch zwei- und mehrsprachige Kitas und Krippen. Gerade für deutsche Familien eine interessante Möglichkeit.

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